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Studie: Gründe der Fremdunterbringungen

in der Kinder- und Jugendhilfe in den Bezirken Graz‐Umgebung und Liezen

erstellt von der FH Joanneum in Kooperation mit der Universität Graz im Auftrag des Landes Steiermark

Externe Verknüpfung download der Studie im Format pdf 1,4MB

Statement Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Heimgartner / Sozialpädagogik / Erziehungs- und Bildungswissenschaft / Universität Graz

Das Land Steiermark entwickelt kontinuierlich die Kinder- und Jugendhilfe, um mit vielen Leistungen Familien in Krisen zu unterstützen und das Kindeswohl zu schützen. Die vorliegende Studie befasst sich mit den Problemen von Familien, die dazu führen, dass Kinder und Jugendliche fremduntergebracht werden und sie setzt sich mit den Möglichkeiten zur Rückführung der Kinder in die Herkunftsfamilien auseinander.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Vernachlässigung des Kindes bzw. der Kinder mit 58% als angegebener Grund für Fremdunterbringungen zahlenmäßig dominiert, gefolgt von der körperlichen Gewalt (22%). Sexuelle Gewalt in der Familie wird bei circa 5% der Kinder als Unterbringungsgrund angeführt. Die Vernachlässigung zeigt sich etwa in ungenügendem Schutz vor Gefahren, mangelnder Ernährung, unzureichender Körperpflege oder fehlenden Schlafmöglichkeiten.

Die Familien sind von unterschiedlichen Problemen meist mehrfach belastet. 17% der Mütter der fremduntergebrachten Kinder leben in Armutsverhältnissen. Häufig sind damit Schulden und Wohnprobleme verknüpft. Etwa 15% dieser Mütter leiden unter Alkoholismus und fast ebenso viele unter Depressionen. Weitere Probleme resultieren aus Haftaufenthalten, mangelnder Intelligenz oder dem Tod eines Elternteiles. Die befragten Mütter artikulieren ihre Emotionen zwischen Entlastung und Enttäuschung und streichen ihre Aktivitäten während der Fremdunterbringung hervor.

In 38% der Fälle kehren die Kinder und Jugendlichen zur Herkunftsfamilie zurück. Viele Jugendliche schaffen auch den Schritt in die Selbstständigkeit. Ein Viertel der Fremdunterbringungen bricht allerdings ab. In der Studie formulieren Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter Ansatzpunkte für eine gelingende Rückintegration. Der Psychologische Dienst thematisiert unter anderem die Kosten, die die Familien für die Fremdunterbringung tragen müssen, die Elternarbeit während den Fremdunterbringungen und einen Ausbau an Formen für Unterbringungen. Angesprochen ist mit der Studie weiters die Aktualisierung der statistischen Wahrnehmung und die gesellschaftliche Verantwortung, gefährdete Familien zu erreichen, zu entlasten und zu deren Lebensqualität mit frühen Hilfen beizutragen.

Die Studie ist ein Kooperationsprojekt der Sozialen Arbeit an der FH Joanneum und der Sozialpädagogik an der Universität Graz. In Zusammenarbeit mit Waltraud Gspurning, Sylvia Hojnik, Gertraud Pantuček, Hannelore Reicher und Elena Stuhlpfarrer unter Mitarbeit von Stefanie Cerncic, Viktoria Fröhlich, Claudia Senn und Nicole Walzl‐Seidl.

Mehrere empirische Methoden wurden dazu zwei Bezirken durchgeführt. So wurden 176 Eltern in 20 elementarpädagogischen Einrichtungen zu ihren Belastungen befragt. Die Gründe von 259 bestehenden Unterbringungen in der Kinder- und Jugendhilfe wurden mit einem Raster gesammelt und die Übergänge nach 157 Unterbringungen der letzten drei Jahre festgehalten. Interviews und Gruppendiskussionen richteten sich an Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter und den Psychologischen Dienst, einzelne Mütter und Jugendliche wurden ebenfalls beteiligt.

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