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Landesrätin Kampus: „Wir lassen niemanden zurück“

Bruck/Mürzzuschlag als Pilotregion in der Erwachsenensozialarbeit: professionelle Unterstützung auf dem Weg zur Selbstständigkeit

Graz, 01. Februar 2019

Seit einem knappen halben Jahr gibt es im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag ein neues, innovatives Sozialangebot: Erwachsenensozialarbeit. „Menschen, die Mindestsicherung beziehen, befinden sich vielfach nicht nur in einer finanziellen Notlage", erläuterte Soziallandesrätin Doris Kampus bei einem Mediengespräch am Freitag in Turnau. Gemeinsam mit Bürgermeister Stefan Hofer betonte Kampus die Zielsetzung der Erwachsenensozialarbeit, „Bezieher von Mindestsicherung, aber auch andere Personen durch Beratung und Betreuung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter zu stärken, ihre sozialen Probleme zu lösen und damit ihre Notlage zu überwinden". Damit solle auch die Zahl der Mindestsicherungsbezieher gesenkt werden. Seit 1. Juli 2018 wurden im Bezirk mit 118 Menschen 380 Gespräche geführt. 

1.839 Personen haben Ende Dezember 2018 im Bezirk Bruck/Mürzzuschlag Mindestsicherung bezogen. „Das bedeutet immer eine soziale Notlage", erläuterte Soziallandesrätin Doris Kampus. „Es bedeutet aber auch, dass es notwendig ist, nach den Ursachen zu fragen und - wenn möglich - zu helfen. Dazu muss man hinter die Kulissen des Falles blicken. Wir lassen niemanden zurück." Hier setzt die Erwachsenensozialarbeit an, die in der Bezirkshauptmannschaft Bruck und ihrer Außenstelle in Mürzzuschlag, aber auch in Gemeindeämtern angeboten wird.

„Wir haben eine barrierefreies Bürgerservicebüro, das auch für die Erwachsenensozialarbeit genützt wird", unterstrich Turnaus Bürgermeister, Stefan Hofer, den Faktor „Bürgernähe": „Für Menschen in Notlagen, die oft kein Auto haben, wäre die Fahrt in die Bezirkshauptmannschaft mit Kosten verbunden. Das wird ihnen so erspart." Als Beispiele nannte Hofer „ältere Personen, die Hilfe bei Behördenwegen brauchen oder um Sozialleistungen ansuchen und dabei unterstützt werden. Es geht keineswegs nur um Bezieherinnen und Bezieher von Mindestsicherung."

 „Ziel ist es, die Betroffenen durch Beratung und Betreuung zu befähigen, ihr Leben wieder stärker selbst in die Hand zu nehmen", hob Kampus hervor. Es gehe darum, Menschen vor dem sozialen und finanziellen Absturz zu bewahren - durch Hilfe bei drohender Delogierung, auf der Suche nach einem Arbeitsplatz und durch Schuldnerberatung. 380 Gesprächen mit 118 Betroffenen wurden seit 1. Juli 2018 im Bezirk geführt. Zielgruppen sind junge Erwachsene, alleinerziehende Frauen, aber auch ältere, allein lebende Personen.

Beispiel 1

Eine Frau (geschieden, 56 Jahre) wurde von den BMS-Sachbearbeitern über das Angebot informiert. Zum Zeitpunkt der Information kam sie aus der verlängerten Reha wegen psychischer Probleme zurück. Sie sah die Möglichkeit der Beratung nicht nur in Bezug auf finanzielle Belange als wichtig an, sondern nahm das Angebot auch wahr, um nach der intensiven Betreuung in der Reha nicht in die Depression zurückzufallen und einen Termin verpflichtend außer Haus zu haben. Im Erstgespräch stellte sich zusätzlich zur labilen Psyche heraus, dass die Frau finanzielle Sorgen hätte (Wegfall AMS-Bezug aufgrund fehlender Gesundmeldung nach Reha) und ihre Wohnung nicht besonders wohnhaft ist und sie sich darin nicht mehr wohl fühlt.

Die Betroffene wurde beim Pensionsantrag unterstützt und die Mindestsicherung für sie als Übergangslösung gewährt. Sie wurde zur weiteren Therapie ermutigt. In Gesprächen wurde erreicht, dass sie die Hilfe ihrer Kinder bei der Wohnungsrenovierung annimmt. Gemeinsam mit ihr wurden Bankgespräche vorbereitet und eine Einnahmen-Ausgaben-Planung erstellt.

In den meisten Fällen geschehe die Kontaktaufnahme durch die Sachbearbeiterinnen und -arbeiter der Bezirkshauptmannschaft, die den Antrag auf Mindestsicherung prüfen, sagte die Soziallandesrätin. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wenden sich dann auf kurzem Wege an die Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, die nach einem kurzen Erstgespräch mit den Betroffenen weitere Termine vereinbaren.

Beispiel 2

Ein junger Erwachsener, Herr K., ist seit mehreren Jahren nach Abbruch seiner Lehre beim AMS arbeitssuchend gemeldet und ist zurzeit BMS Aufstocker. Herr K. meldet sich in der Sozialberatung wegen einer möglichen Unterstützung bei der Finanzierung seines Führerscheins. In der Beratung zeigte sich nun vorrangig ein anderes Problem, zurzeit geht es um die Vermeidung einer Wohnungslosigkeit durch Mietrückstände, hier erfolgte eine Beratung zu möglichen Schritten und unterstützenden Stellen. Herr K. verhält sich in der Beratung sehr zurückhaltend und nur durch eine niederschwellige, nachgehende Beratung sind Gespräche und die Bearbeitung von Problemen möglich. Ein langfristiges Ziel ist dann die Finanzierung eines Führerscheins sein, um Jobchancen in der Region langfristig erhöhen zu können.

„Der Fokus liegt darauf, die Arbeitsfähigkeit der Menschen wieder herzustellen, einen Arbeitsplatz zu finden oder diesen abzusichern", unterstrichen Kampus und Hofer abschließend, dass die Erwachsenensozialarbeit zwar einem konkreten Menschen weiter helfen soll, auf diese Weise aber auch zu einer Entlastung der Sozialsysteme führt. 

Info:

Sozialberatung: Bezirkshauptmannschaft Bruck-Mürzzuschlag

Jeden Dienstag und Donnerstag 10 bis 12 Uhr

Jeden zweiten Dienstag im Monat zwischen 10 und 12 Uhr in der BH-Außenstelle Mürzzuschlag

Kontakt:         03862/899-601 (BH Bruck)

                        03862/899-423 (Außenstelle Mürzzuschlag)

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