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Kampus: „Mehr Gewaltschutz für Menschen mit Behinderung“

Österreichweit erstes Maßnahmenpaket gegen Gewalt an Menschen mit Behinderung

Graz, 04. September 2020

Soziallandesrätin Doris Kampus hat das österreichweit erste Paket zum Gewaltschutz für Menschen mit Behinderung beauftragt.© Peter Drechsler
Soziallandesrätin Doris Kampus hat das österreichweit erste Paket zum Gewaltschutz für Menschen mit Behinderung beauftragt.© Land Steiermark

Das Sozialressort des Landes Steiermark und der Gewaltschutzbeirat wenden sich im Auftrag von Soziallandesrätin Doris Kampus einem Thema zu, das bisher leider sehr oft im Dunkeln blieb: Menschen mit Behinderung als Opfer von Gewalt. Ausgangspunkt der Initiative war eine österreichweite Studie, die erschreckende Ergebnisse zutage gefördert hat - so haben acht von zehn Menschen mit Behinderung angegeben, körperliche Gewalt erfahren zu haben. „Diese Studie hat ein enormes und gleichzeitig verdecktes Problem sichtbar gemacht", erläutert Soziallandesrätin Doris Kampus. Die Steiermark hat nun ein österreichweit einmaliges Maßnahmenpaket gegen Gewalt an Menschen mit Behinderung zusammengestellt, das sukzessive umgesetzt wird.   

Die Studie im Auftrag des Sozialministeriums, die im Dezember 2019 veröffentlicht worden ist, hat erschreckende Ergebnisse über Gewalt an Menschen mit Behinderung ergeben. Befragt wurden 376 Kundinnen und Kunden in 43 Einrichtungen in ganz Österreich. 78,9 Prozent aller Menschen mit Behinderung haben angegeben, körperliche Gewalt erlebt zu haben. Mehr als jeder Zweite - exakt 55 Prozent - sprachen sogar von schweren Gewaltformen. 93 Prozent der Menschen mit psychischen Erkrankungen haben psychische Gewalt angegeben. Auch sexuelle Übergriffe sind demnach weit verbreitet: Menschen mit Behinderung zu 44,2 Prozent und solche mit psychischen Beeinträchtigungen sogar zu 60,6 Prozent haben das bejaht.

Schulterschluss statt Schuldzuweisungen

„Diese Studie hat ein enormes und oft verdecktes Problem sichtbar gemacht. Eine Situation wie diese ist dramatisch und unter keinen Umständen akzeptabel. Das Thema Gewalt existiert bei Menschen mit Behinderung leider in einem überproportionalen Ausmaß", unterstreicht Soziallandesrätin Doris Kampus. „Wir haben das Thema sofort auf die politische Tagesordnung gesetzt. Gewalt ist immer eine gesellschaftliche Frage, umso mehr, wenn Menschen mit Behinderung betroffen sind."

Ausgearbeitet wurde in Kampus Auftrag von Expertinnen und Experten des Gewaltschutzbeirates das österreichweit erste Maßnahmenpaket, das Menschen mit Behinderung vor Gewalt schützen soll. „Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um einen Schulterschluss, um die Situation der Betroffenen zu verbessern und das Bewusstsein für die Problematik zu schärfen", so die Soziallandesrätin zur grundsätzlichen Absicht, die mit dem Maßnahmenbündel verknüpft ist. Dieses Paket besteht aus folgenden Kernelementen und wird nun Schritt für Schritt umgesetzt. 

Maßnahmen in der „Behindertenhilfe":

  • Beratungs- und Begleitungsangebote für Menschen mit Behinderung in Einrichtungen, insbesondere für Frauen mit Behinderung sowie leicht lesbares, das heißt barrierefreies Infomaterial - zum Beispiel werden Fragen behandelt wie: Was ist eigentlich ein Übergriff? Wie kann ich ihn selbst erkennen? Was kann ich dagegen tun?
  • Zusammenarbeit mit Transportunternehmen, die Menschen mit Behinderung befördern
  • Inklusive Medizin - Angebote für medizinisches, pflegerisches und therapeutisches Personal zur Gewaltprävention bei Menschen mit Behinderungen: Sensibilisierungskurse für den Umgang mit Menschen mit Behinderung
  • Informationsbroschüre „Gewaltschutz und Gewaltprävention" für „Persönliche AssistentInnen" im Umgang mit Menschen mit Behinderung sowie für Menschen mit Behinderung, die eine „Persönliche Assistenz" in Anspruch nehmen (ebenfalls leicht lesbar und barrierefrei)

Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe:

  • Elternberatungszentren - Spezialangebote für (werdende) Eltern von behinderten Kindern
  • Maßnahmen „Gewaltschutz" in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe: Verpflichtende Konzepte zum Gewaltschutz bzw. zur sexualpädagogischen Erziehung
  • Maßnahmen für Pflegepersonen von behinderten Pflegekindern: Konzipierung eines Workshops für Pflegepersonen in Anstellung bei affido gemeinsam mit einer Gewaltschutzeinrichtung und weiteren Partnern
 

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