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Kampus: „Armut ein Gesicht geben und Auswege finden“

Soziallandesrätin Doris Kampus stellt Sozial- und Armutsbericht vor

Graz, 22. Oktober 2018

Soziallandesrätin Doris Kampus / Bild honorarfrei 
Soziallandesrätin Doris Kampus / Bild honorarfrei

Auf insgesamt 256 Seiten präsentieren der Externe Verknüpfung Armuts- und der Externe Verknüpfung Sozialbericht des Landes Steiermark, die Soziallandesrätin Doris Kampus heute in Graz vorgestellt hat, einen umfassenden Überblick über die soziale Situation der Menschen in der Steiermark. „Wir haben eine gute soziale Lage, auch deshalb, weil unser Sozialsystem funktioniert", unterstrich die Soziallandesrätin. Allerdings dürfe man auch vor den Problemen nicht die Augen verschließen. Dazu gehört, dass 41.000 Menschen in der Steiermark unmittelbar von Armut betroffen sind. „Armut ein Gesicht geben, die Ursachen beseitigen und Perspektiven schaffen", nannte die Soziallandesrätin als ihre Hauptanliegen. Neu gegründet wurden auch ein Expertengremium - das Armutsnetzwerk Steiermark.

„Ja, es gibt Armut. Und es ist eine politische Aufgabe, weiter dagegen anzukämpfen", leitete die Soziallandesrätin ihre Präsentation ein. Kampus illustrierte die Feststellungen in den beiden Berichten mit konkreten Beispielen - eine geringfügig beschäftigte Mutter zweier Kinder, die knapp 700 Euro im Monat verdient. Oder ein älterer IT-Experte, der sich mit Mehrfachjobs über Wasser hält. „Man spricht oft von Risikogruppen, die auf der Hand liegen", so Kampus, „aber es kann auch Situationen geben, in denen auch Leistungsträger in Schwierigkeiten geraten können". Insgesamt sind 41.000 Menschen in der Steiermark nach internationalen statistischen Kriterien arm, das sind drei Prozent der Bevölkerung. „Wir liegen hier unter dem Österreichschnitt von vier Prozent, aber damit will ich mich aber nicht zufrieden geben", betonte Kampus.

Inhaltlich bekannte sich die Landesrätin zur Einführung des Mindestlohnes, mehr und bessere Kinderbetreuung zum Vorteil berufstätiger Frauen, aber auch Initiativen im Bildungsbereich. 35.000 Steirerinnen und Steirer haben keinen Pflichtschulabschluss und allein schon deshalb ganz schlechte Chancen am Arbeitsmarkt. „Wir brauchen aber trotz aller anderen Bemühungen weiterhin ein funktionierendes Sozialsystem, in dem die Stärken für die Schwächeren in unserer Gesellschaft solidarisch agieren", so Kampus. Dabei nannte sie sowohl die Mindestsicherung, als auch Wohnunterstützung, Heizkostenzuschuss oder Kautionsfonds und Pendlerbeihilfe. Kampus: „Ohne Sozialsystem wären 329.000 Steirerinnen und Steirer, also knapp jede vierte Person von Armut betroffen."

Kein Wirtschaftssystem könne aber kompensieren, wenn in einer auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Wirtschaftswelt Güter ungleich verteilt sind, so Kampus. „Gerechtigkeit heißt immer auch Steuergerechtigkeit." Das Sozialsystem sei für die Schwächeren da, „aber es ist kein Werkzeug, um für einigermaßen faire Verhältnisse bei den Einkommen zu sorgen".

Armut ein Gesicht geben, den Betroffenen Mut machen und ihnen Perspektiven aufzeigen: Diese Ziele nannte die Soziallandesrätin. „Armut wird ja oft als Schande erlebt, führt zur sozialen Isolation und dazu, dass sich die Betroffenen nicht trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen." Unterstützen soll dabei auch das neu gegründete Armutsnetzwerk Steiermark, ein Zusammenschluss von zwölf Organisationen, die unter anderem beratende Funktion haben.

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